Der vergessene Weihnachtsmann

Aus dem Buch

Der vergessene Weihachtsmann

1.Kapitel: Kleiner Bruder, hoch hinaus

Es war Freitag, der 3. Dezember, einen Tag vor Nikolaus. Lena saß in ihrem Zimmer und schaute zum Fenster hinaus. Es hatte schon vor Wochen zu schneien begonnen, doch auf dem Rasen des Gartens hatte sich die Scheedecke immer noch nicht vollständig geschlossen. Sie beobachtete die Kohlmeisen und Amseln, die sich auf dem Fensterbrett scharten und nach den Körnern pickten, die Lenas Vater auf das Fensterbrett gesträut hatte. Als sie zufällig zuihrem blau-roten Wecker starrte, erschrag sie. Du meine Güte, schon 16:00 Uhr. Da hatte sie tatsächlich eine Stunde lang hier gesessen,und sie hatte noch jede Menge Hausaufgaben. Sie hüpfte von der Fensterbank und zog ihren Ranzen unter dem Schreibtisch hervor. Als sie sich gerade über die Matheaufgaben beugte und einen angekauten Bleistift aus ihrer Federmappe zog, kam ihr Bruder Leo herein. „Lena, spielen wir zusammen Piraten?“, jappste er. „Nee, frag Paps!“, meinte sie angestrengt und zog die Stirn in Falten. „Geht nich, der Pappi ist noch auf Arbeit“ sagte er und strahlte in der Hoffnung, seine Schwester würde nun endlich mit ihm spielen.Lena drehte sich um und fauchte genervt: „Und, Mama,was ist mit ihr, sie ist definitiv da!”. Leo sengte den Blick und nörgelte:

Ja, die ist da , aber…”doch Lena schnitt ihm das Wort ab: “ Weist du was Leo, ich hab´ grade sowas von keine Zeit, ich muss Hausaufgaben machen. Geh doch rüber zu Paul und spiel mit dem.” Leos Mundwinckel sackten nach unten und kleine Tränen kullerten über seine kleinen Paustbacken. Er schniefte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. “Du bist gemein!” schrie er und lief aus dem Zimmer. Lena tat es schon leid bevor sie dies überhaubt gesagt hatte. Sie wusste nicht was mit ihr los war, manchmal ging ihr Leo der Maßen auf die Nerven, und gleichzeitig wollte sie ihn nicht entäuschen. Wenn sei gemeinsam spielete, war ihr Bruder immer so glücklich und lachte. Manchmal Abends, kam er zu ihr ins Bett weil er Angst vor den Schatten in seinem eigenen Zimmer hatte. Dann kuschelten sie sich zusammen in Susannas Bett (obwohl es ziemlich klein war)und schauten vom Fenster aus in die Sterne. Lena kannte viele Sternbilder und brachte Leo bei, sie zu erkennen. Lena liebte ihren Bruder über Alles, auch wenn sie es manchmal nicht so zeigen konnte. Sie beschloss sich gleich bei Leo zu entschuldigen, gleich nach den Matheaufgaben.

Vorweihnachtszeit

Vorweihnachtszeit bei uns zu Haus,
da schnurrt die Katze, da raschet die Maus,
da tappt es leise den Flur entlang,
da hat jedes seinen heimlichen Gang.

Und jede Lade und jedes Zimmer trägt einen
heimlichen goldenen Schimmer.

Es riecht nach Honig und mancherlei,
und draußen geht schon der Rupprecht vorbei.

Sechs Schuhchen stehen vorm Fensterbrett,
Goldfäden hängen morgens am Bett –

Wer kehrte da in der Nacht woh ein?

Es kann nur ein Englein gewesen sein.

**** Hedwig Bender, 1906 – 1968 *****

 

Scherenschnitt Fritz Bender

Scherenschnitt von Fritz Bender

 

i.V – der Enkel

 

Immer ein Lichtlein mehr

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranze, den wir gewunden,
daß er leuchte uns sehr
durch die dunklen Stunden.
Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer!
Und so, leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.
Und so leuchtet die Welt,
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß – um den Segen.

**** Hedwig Bender, 1906 – 1968 *****

Scherenschnitt von Fritz Bender

Scherenschnitt von Fritz Bender

i.V – der Enkel