Der Gedankenleser

Der Gedankenleser lag auf dem nicht gemachten Bett. Grand Paker stand gerade auf und folgte seinem müden Körper zum WC.
„Guten Morgen Grand!“, klang es aus den Lautsprechern im Bad.
„Hier sind die neuesten Schlagzeilen und Entwicklungen auf dem Mars“, klang es weiter.
„Aus!“, rief Grand und der Ton ging aus.
„Schon heute Morgen und die belästigen einen“, sagte Grand zu sich selbst.
Er ging zur Dusche und sank in ihr zum Boden.
„Was für ein Tag. Nur Schulden und keine Kunden!“, murmelte er vor sich.
„Warmes Wasser!“, sagte Grand.
„Sie haben die letzte Rechnung nur bis zur Hälfte bezahlt“, klang es aus dem Lautsprecher.
„Wasser!“, sagte Grand.

Berufung

Was für ein schöner Sommertag. Die Sonne schien, keine Wolke am blauen Himmel zu sehen, ein leichter Wind wehte und von überall zwitscherten die Bäume. Was für ein herrlicher Tag. Stefan wanderte am Fluss entlang, der sich wie ein blaues Band durch das grüne Tal schlängelte. Wie das Paradies schien es ihm, jedesmal wenn er hier entlang ging, das Wasser sah, die Wälder, die Wiesen, die Berge mit ihren Wäldern, die dieses Tal einschlossen. Doch wenn er an das Paradies dachte, schien es ihm manchmal wie ein Frevel und irgendetwas machte sein Herz schwer, doch er wusste nicht was. Er ging weiter, sah die tobenden Kinder, die sich an einer flachen Stelle in den Fluss warfen. Sah die Erwachsenen, viele mit Kinderwagen. Sah die Sportler, die Läufer, die Skater. Sah die jungen Frauen, die nur im Bikini ihm entgegen kamen. Sah ihre schönen Körper, doch er fühlte nichts. Keine Erregung, keine Begierde. Nur Scham, als er merkte, dass er ihre Körper betrachtete. Sah auch junge Männer, die den Frauen hinterher pfiffen, auch sie nur wenig bekleidet. Auch sie schaute er nur kurz an, fühlte auch nichts. Er spürte keine körperliche Liebe zu diesen Menschen. Aber was fühlte er?

Die Muse

Oh, wie er das Aufräumen hasst. Aber ab und zu muss es sein und manchmal findet man wieder, was man schon ewig gesucht hat. Einen kleinen Schrank hatte er sich zugelegt und ihn jetzt zusammengeschraubt. Endlich konnte er seinen Schreibtisch etwas besser aufräumen und ziemlich schnell war der Schrank voll. Aber wo war der Schraubenzieher hin? Gerade hatte er ihn benutzt um Schrauben am Schrank festzuziehen und jetzt war er weg. Im Schrank war er nicht, auf dem Schreibtisch war er nicht, bei den anderen Werkzeugen war er nicht. Wo war er nur?

Autsch!! Jetzt ist er bei der Suche nach dem Schraubenzieher doch gegen seinen neuen Schrank gelaufen. Na klasse, muss er sich erst dran gewöhnen, dass da jetzt ein Schrank steht? Und das war der Knöchel. Schöne Schmerzen waren es. Kurz aufs Bett gehumpelt, mit Tränen in den Augen. Man sollte auch nie nach 20 Uhr noch einen Schrank aufbauen und irgendetwas suchen. Er lag auf dem Bett, biss die Zähne zusammen und zog die Luft an. Schmerzen. Er versuchte den Fuss zu bewegen, aber momentan ging es nicht. Und beim Versuch zu bewegen, trieben ihn die Schmerzen Tränen in die Augen. Er liess sich ins Bett zurücksinken und versuchte die Schmerzen zu vergessen.

Der letzte Atemzug

Der letzte Atemzug

Robert Washington saß in seinem Gleiter und las entspannt ein Science Fiktion Roman von Philip K. Dick.
Seine Arbeitswoche war vorüber und er flog Freitag Nachmittag zu seiner Frau, Ann, nach Hause.
Der Flug sollte zwei Stunden dauern. Das künstliche Wetter war angenehm warm auf dem Mars.
Plötzlicher Druckabfall in der Kabine zwang seinen Gleiter zur Notlandung.
Robert blieb gelassen, da das Interface eine Werkstatt und einen Termin für eine Reparatur in der Nähe ausmachte.
„Ein Anruf von der Werkstatt“, sagte das Interface.
„Annehmen“, sagte Robert.
„Hallo, hier ist Willis Garage. Sie haben einen Notfall gemeldet. Bleiben Sie vor Ort, wir kümmern uns um den Rest!
Wir sind recht ausgebucht, jedoch finden wir jemanden, der sich um Sie kümmert“, sagte der Androide.
„Habe verstanden, bleibe vor Ort und warte“, sagte Robert und legte auf.
Robert nahm sein Buch in die Hand und las es weiter.
Nach zwei Stunden Lesezeit, meldete das Interface geringeren Sauerstoffgehalt in der Kabine des Gleiters.
Robert versuchte die Kabine per Auslöser aufzumachen, was jedoch nicht gelang.
Langsam verbreitet sich Panik in den Augen Roberts.
Er nahm den Feuerlöscher und schlug ihn gegen das Seitenfenster, welches aber nicht nachgab.
Anschließend schlug er mit seinen Händen und Füßen gegen das Fenster, auch das misslangte.
„Ich werde wohl qualvoll ersticken!“, dachte Robert laut nach und begriff, dass er jede Menge Sauerstoff mit seinen Aktionen verbraucht hatte.
„Interface, Hilfenotruf absetzen“, sagte Robert mit letzter Kraft und wurde ohnmächtig.
„Hilferuf abgesetzt! Die Koordinaten gesendet“, erwiderte das Interface.
Das vernahm Robert nicht mehr wahr und verstarb zwei Minuten später.

Die Sniper

Die Rekrutierung fing immer mit dem Gleichen an. Zuerst suchte man nach vollweisen Taubstummen sportlich fitten an, die keine Laute von sich geben konnten, damit sie ihre Geheimnisse und ihre Position nicht verrieten. Auf der anderen Seite konnte sie sehr gut Geräusche wahrnehmen, weil sie mit den neuesten Implantaten ausgestattet wurden.
Verweist damit man keine gesellschaftlich relevanten Verhältnisse in Kondolenzform verfassen mußte, was angesichts des andauernde Bürgerkriege sehr häufig geschah.
Das, was sie innerhalb der zwei Wochen lernten war so streng geheim, daß erst in 250 Jahren Akteneinsicht gewährt werden sollte. Dabei war die elektronisch verstärkte Synapsenübertragung schon in den 80er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts während des Kalten Krieges entwickelt worden. Sie diente zur nächst der kinetischen Kommunikation zwischen Großrechnern und ihren Programmierern. Erst fünf Jahre später vernetzten sich die politische und wirtschaftliche Elite kinetisch außerhalb der Programmierergemeine untereinander.