Vom Gefühl der unendlichen Freiheit beim Abheben

Es gibt zwei Arten an Menschen. Gut – sicher mehr. Und es ist auch wichtig zu wissen, nach welchen Kriterien die Arten unterschieden werden. Ich meine die Arten:

  • Fußgänger
  • Flieger

Natürlich ist es heute nichts mehr Besonderes mit einer Verkehrsmaschine in die Luft zu gehen. Das hat sicher die halbe Nation oft schon gemacht. Ich empfinde nur meine regelmäßigen Geschäftsflüge mit einer Linienmaschine aber mehr oder weniger als eine Art Busfahren. Nur in der Luft. Klar hat man von da oben eine Aussicht, die man normalerweise beim Busfahren nicht hat. Aber meine Empfindungen beim Blick aus den Wolken durch die Fenster einer Linienmaschine unterscheiden sich nicht wesentlich davon als ob ich eine Fernsehsendung sehe, die Flugaufnahmen zeigt.

Die Art der Fliegerei, die ich meine, findet aktiv statt. Mit einem Gleitschirm, Drachen, Segelflugzeug oder so. Oder zur Not als Passagier in einem Ballon, einem Segelflugzeug, einem Drachen, einem Gleitschirm oder vielleicht sogar einer kleinen Motormaschine. Die extremen Formen des Fallschirmspringens oder Basejumping treiben die Sache in Richtung Adrenalin auf die Spitze, aber das ist nach meiner Meinung eine ganz andere Motivation. Letztendlich kann man das Gefühl der absoluten Freiheit nur dann richtig empfinden, wenn man selbst die Sache in der Hand hat.

DCIM100GOPRO

Flugtagebuch Küstensoaren in Husby – Dänemark im Juni 2008

21. Juni

Ich bin wieder zum Küstenfliegen in Dänemark. In Husby, etwa 150 Kilometer südlich von Loekken, wo ich letztes Jahr war. Nachdem der Trip letztes Jahr eigentlich ein Reinfall war und ich in einer Woche nur einen Tag zum Fliegen kam, wollte ich eigentlich das Risiko nicht mehr eingehen. Hier oben kann es halt ziemlich ziehen.
Aber da die Flugschule, über die ich letztes Jahr die Reise gebucht hatte, mir einen Gutschein wegen den miesen Bedingungen im letzten Jahr gegeben hatte, und mir eine Schulung weggebrochen war, bot sich diese Woche einfach an. Und der eine Tag in Loekken letztes Jahr war so begeisternd, dass ich Dänemark einfach noch eine Chance geben will. Soaren an der Düne ist einfach unbeschreiblich.
Gegen 4:30 Uhr bin ich los. Mit meinem neuen Auto. Nachdem ich die letzten Jahre auch solche Riesentouren wie nach Loekken mit meinem Smart gefahren bin (samt Gleitschirmausrüstung), war die Anfahrt mit dem neuen Subaru Forester gar kein Vergleich. Platz ohne Ende, Tempomat, unhörbarer Motor, Luxus an allen Ecken. Ich bin schon Duzende von Autos gefahren, aber so entspannt bin ich so eine Strecke noch nie gefahren. So gesehen fängt die Sache schon mal gut an.
Um 15:00 Uhr war ich am Campingplatz, auf dem ich eine Minihütte gemietet habe. Viel zu teuer für die winzige Hütte. Kein Herd, kein Wasser, kein Schrank. Aber zumindest ganz gemütlich.
Auf der Fahrt hatte es ziemlich geregnet, aber hier lacht die Sonne. Da noch niemand von wegen Fliegern hier ist, bin ich erst einmal ins Freibad auf dem Campingplatz. Schön war’s, aber saukalt.
Um 19:00 Uhr war dann Treffen der Reiseteilnehmer. Und da der Wind richtig gut aus West kam, habe ich vorher schon auf glühenden Kohlen gesessen. Dann hieß es 20:00 Uhr am Strand mal schauen, ob was geht. Bin sofort los und hab vom Parkplatz über die Dünen schon einen Schirm soaren gesehen. Also nix wie hingehetzt. War ein Einheimischer, der meinte, dass es perfekt wäre und er gerade ne halbe Stunde oben geblieben war. Da war nix mehr mit auf den Rest warten. Bin sofort raus und was soll ich sagen – TRAUMHAFT! So und nicht anders wollte ich es haben. Bis der Rest da war, war ich schon fast ne halbe Stunde an der Küste gesoart. Ging fast den gesamten Abend saugut. Ich konnte mich gegen 21:15 Uhr nicht mehr halten und hab aufgegeben (war auch fertig), aber zwischenzeitlich war ich vielleicht 15 Minuten am Boden. Bin zwar immer wieder mal zu weit von der Kante weg geraten und muss zwischenlanden, bin aber immer wieder auf die Düne hochgekommen und wieder in die Luft. 3 – 4 Flüge waren definitiv länger wie 20 Minuten und ich habe riesige Strecke die Düne entlang gemacht. Zumindest für meine Verhältnisse. Bin als einziger soweit Richtung Süden runter und dort auf 1 bis 2 Kilometer teils 5 – 6 mal die Kante voll entlang geflogen. Der Abend hat schon fast die gesamte Anreise gelohnt. Leider soll Sonntag nicht viel gehen. Aber der Rest der Woche hat noch alle Chancen.

Fliegertagebuch einer Reise nach Loekken in Dänemark zum Gleitschirmfliegen an der Küste im Juli 2007

10. Juli 2007

Ich bin frustriert. Jetzt geht schon seit Wochen bei uns nichts mit Gleitschirmfliegen und nun bin ich 1000 Km nach Dänemark an die Küste gefahren, um da zu Soaren oder zumindest zum Groundhandeln. Jetzt ist der 3. Tag und es hat sich nicht einmal gelohnt den Schirm rauszuholen. Die letzten 2 Tage war es total sonnig und schön, aber der Wind einfach zu stark. Heute hat sich noch Regen eingestellt. Mist. Wir hoffen auf morgen. Da sollte es nach den Prognosen gehen. Mal sehen. Andernfalls werden wir wohl abbrechen. Das kann sowieso passieren, denn die Prognosen für den weiteren Verlauf der Woche sind wenig vielvesprechend :-(.

Eine Gleitschirmreise nach Kössen und Umgebung im Mai 2009

Im Mai 2009 fand einer meiner wenigen Gleitschirmtripps in die Alpen statt. Nach Kössen. Obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon seit etwa 4 Jahren den Pilotenschein hatte und regelmäßig mit dem Gleitschirm geflogen bin, war ich seit meiner Ausbildung nicht mehr in den Alpen. Nur in Mittelgebirgen und an der Winde ging es regelmäßig in die Luft. Ich musste mich deshalb erst einmal auf die Bedingungen in den Bergen wieder einfliegen.

Während der folgenden Tage war in Kössen auch das Super Paragliding Testival. Mit anderen Worten – es waren zig Flieger und am Kössener Hausberg – dem Underberghorn – war es voll in der Luft. Darauf hatten wir keine Lust und sind an den Underberg in Ruhpolding ausgewichen. Leider waren die Bedingungen mau. Zu viel Wind und drohendes Gewitter. Wir sind deshalb wieder mit der Seilbahn nach unten gefahren. War wohl auch vernünftig, denn auf der Rückfahrt sind wir ziemlich in Unwetter gekommen.

Die Faszination von Gleitschirmfliegen

Ich bin ein Spätberufener in Sachen Fliegen. Ich war fast 30 Jahre, bevor ich das erste Mal in die Luft gekommen. Bei einem Flug nach Paris mit einer Linienmaschine. Seitdem bin ich zwar häufiger geschäftlich mit Verkehrsmaschinen geflogen oder auch in den Urlaub. Aber das ist wie Busfahrten in der Luft. Das ist irgendwie kein richtiges Fliegen.
Vor etwa sechs Jahren habe ich mir dann aber den Traum vom richtigen Fliegen erfüllt. Ich habe meinen Pilotenschein für den Gleitschirm gemacht. Bereits im Schnupperkurs bin ich der Faszination des vogelnahen Fliegens mit einem Haufen Stoff über sich erleben.

Fußgänger können das Gefühl nicht wirklich nachvollziehen, wenn man wenige Schritte läuft und plötzlich den Boden unter den Füßen verliert und schwebt. Selbst nach unzähligen Flügen, die ich seitdem gemacht habe, ist es immer wieder ein unglaubliches Gefühl zu starten und in die dritte Dimension abzuheben.