Hildegundis und die Kinderkrone, Infos der Autorin

Das Ruhrgebiet im Jahre 1040. Die Wälder an der Ruhr sind noch voller Tücken. Wölfe, Wildschweine und Räuber hausen dort und werden zur Bedrohung für harmlose Reisende. Das Christentum ist in dieser Region noch jung, im Verborgenen gibt es noch viel Heidentum und Aberglaube. Die fast zwölfjährige Grafentochter Hildegundis wird zur Erziehung in das hochadelige Damenstift Astnide geschickt, aus dem in späteren Zeiten einmal die Ruhrmetropole Essen hervorgehen soll. Sie muss sich nicht nur von ihren Eltern und Geschwistern trennen, auch ihren Spielgefährten Martin sieht sie nur noch, wenn er ihren Vater als Junker begleitet. Vertraut aus der alten Heimat ist ihr nur ihre Dienerin Gewa – doch Hildegundis ahnt nicht, dass Gewa heimlich der alten Religion angehört und schon bald einen Kreis von Gleichgesinnten in Astnide findet, der in dunkle Machenschaften verwickelt ist und auch ihr gefährlich wird.

Nirgendwo

Nirgendwo  ( 26.2.2012)
Was für ein Elend! Die Tankstelle hat geschlossen. Nur eine miese Energiesparlampe verbreitet ein wenig schales Licht im hinteren Bereich. Der Tank meines Mini ist mehr als leer. Auf dem letzten Tropfen bin ich auf den Hof gerollt. Was mache ich jetzt? Ich schaue mich um. Wo bin ich hier gelandet? 100 km vor den Toren Berlins und es mutet an wie das Ende der ZIvilisation. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Aber welche? Die Dorfstraße wölbt sich unter dem Kopfsteinpflaster, als hätte sie sich unter Schmerzen gekrümmt. Wer darüber geht oder fährt, kommt nicht so leicht davon. Kein glattes Weiterfahren, kein Darüberhinwegrollen. Ganz im Gegenteil. Jeder einzelne Stein verursacht ein kleines Hindernis, zwingt zur Erinnerung. Denk daran! Weißt du noch? Vergiss nicht! Die Straße säumen vereinzelt geduckte, windschiefe Häuser, von deren Fassaden der Putz abbröckelt, aus deren Schornsteinen kein Rauch aufsteigt. Keine Häuserfront, nein, es sieht hier aus wie ein großer Mund, in dem zahlreiche Zahnlücken klaffen. Die Lücken geben den Blick frei auf unbestellte Felder, braune Erde, vertrocknete Halme. Ich gehe hinüber zu den Häusern. Schaue mich verstohlen um. Meine Neugierde ist mir peinlich. Mit beiden Händen schirme ich das Licht ab und presse mein Gesicht an eine Fensterscheibe. Drinnen sehe ich eine Art Wohnzimmer. Die Möbel sind alt. Grauer Staub bedeckt alles. Die Deckenleuchte ist umwoben von Spinnennetzen. In einer Zimmerecke steht eine vertrocknete Pflanze. Es mag einmal eine Zimmerpalme gewesen sein. Die  Blätter sind vor Trockenheit aufgerollt und schon lange nicht mehr grün.
An der Tür zum nächsten Zimmer liegt eine einsame Wollsocke. Wer hat die verloren? Wie eilig hat er das Haus verlassen, dass er sie zurücklassen musste? Wohin hat es ihn verschlagen?